Neue Sicherheit = Bessere Sicherheit?

Sicherheit wird zur Zeit in Deutschland sehr ambivalent betrachtet. Gerade die Diskussionen um Apples neue Touch ID Funktion zeigt die Problematik der ganzen Sicherheitsdiskussion. Es ist es offensichtlich, dass unsere virtuellen Daten nicht sicher sind. Nicht nur NSA und CIA haben scheinbar zugriff auf all unsere Daten, sondern auch Großkonzerne wie Google, Apple oder Microsoft. Der Wunsch der Verbraucher nach höherer Datensicherheit verwundert somit nicht. Rational betrachtet hat der kleine Privatnutzer jedoch viel mehr Angst, dass sein Handy geklaut oder sein Privat Computer gehackt wird und ein Kleinkrimineller damit auf Shopping Tour geht oder teure Auslandstelefonate führt. In erster Linie versucht er somit den Zugriff auf seine Daten bestmöglich gegen Zugriff von anderen Personen und nicht Firmen oder Geheimdiensten zu sichern.

Fingerabdruckscanner sichert iPhone
Natürlich versuchen die Firmen genau diesen Wunsch zu erfüllen. Apples Touch ID scheint hier eher der Anfang als das Ende zu sein. Zumal es sich dabei offensichtlich ja nicht einmal um einen richtigen Fingerabdruckscan im eigentlichen Sinne handelt, sondern viel mehr um eine Art Epidermis Scanner. Die Entsperrfunktion funktioniert somit genauso gut mit Katzenpfote oder Brustwarze. Nichtsdestotrotz werden diese Daten irgendwo irgendwie gespeichert. Und natürlich sind diese Daten auch auslesbar. Das menschliche Sein, dass danach strebt Rätsel zu lösen und Unentdecktes zu erforschen wird dazu führen, dass auch diese Verschlüsselung irgendwann auslesbar sein wird. Ganz davon abgesehen das der Chaos Computer Club kürzlich die ganze Sicherheitsfunktion mit einen kopierten Fingerabdruck umgangen hat. Dabei muss der Fingerabdruck lediglich abfotografiert werden, am Computer bearbeitet, dann auf Folie ausgedruckt und zu guter Letzt mit Hilfe von Latex ein Kunstfinger gebastelt werden. Es erscheint jedoch fraglich, ob sich der Kleinkriminelle diesem Aufwand aussetzten wird und nicht stattdessen irgendeinen anderen Weg finden wird, um das Telefon einfach zurückzusetzten und dann zu verkaufen. An die zuvor verwendetet vierstellige Passwortkombination dürfte übrigens auch nicht wesentlich aufwendiger zu kommen zu sein, wenn man die zu beklauende Person nur lange genug in einem Restaurant oder einer Bar beobachtet hat.
Nichtsdestotrotz wird Apple hier einen Trend setzen, dem auch andere Firmen folgen werden. Der Scan von Netzhaut oder Stimmaktivierung werden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Im Ergebnis führt somit der Wunsch nach mehr Sicherheit dazu, dass wir immer mehr persönliche Daten den großen Anbietern zur Verfügung stellen, um uns vor vermeintlich Kriminellen zu schützen. Rational betrachtet wird sich das auch nicht verhindern lassen, denn natürlich hat es auch einen gewissen Reiz, sein Handy im „James Bond Stil“ zu entsperren. Nichts desto trotz sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass es damit zu hundert Prozent sicher ist.

Digitale Daten sind per se unsicher
Der beste Sicherheitstipp kann somit nur lauten so wenig wie nötig digital zu sichern. Somit verwundert es nicht, dass der russische KGB Nachfolger, der Geheimdienst FSB zuletzt seine Korrespondenz zum Teil wieder auf die analoge Schreibmaschine umgestellt hat. Das schützt zumindest vor digitalem Fernzugriff und wird dem klassischen Agenten wieder mehr Arbeit verschaffen. Als Privatanwender sollte man es ähnlich handhaben. Daten die man in keinem Fall preisgeben will, sollte man auch nicht digital auf PC und Handy speichern. Auf Komfortfunktionen wie Online Banking oder einkaufen via Kreditkarte sollte man aber deswegen trotzdem nicht verzichten. Hier sollte der Privatnutzer statt auf Verschlüsselung via Fingerabdruck lieber auf ein anständiges Antiviren Programm setzten. Denn den eigentlichen Zugriff auf digitale Daten wird der Kriminelle sowieso eher Online versuchen, als über das physische einloggen in den eigenen Computer oder Handy. In Zeiten in denen der User mit Smartphone, Tablet oder Ultrabook auf Shopping Tour geht und seine Banking Daten im Hotspot an der Ecke eingibt, verwundert es daher nicht, dass die großen Antiviren Hersteller den mobilen Markt für sich entdeckt haben. Mittlerweile vertreiben fast alle großen Anbieter mit ihrer Antivirus Suite eine mobile Version oder bietet diese zumindest gegen Zuzahlung an. Wer mobil, egal mit welchem Endgerät, sensible Daten eingibt sollte sich in jedem Fall mit einem Viren und Sicherheitsschutz beschäftigen. Es ist verwunderlich, dass laut einer Kaspersky Umfrage lediglich 43 Prozent aller Android-Smartphone Nutzer schon einmal eine Security App installiert haben.

Sicherheitstechnik für Privatanwender
Ganz rational betrachtet, sollte der Privatanwender im Jahr 2013 hier im Bereich Antivirus und Internet Security Software seine Prioritäten zu setzen. Natürlich ist es nicht besonders sexy ein Antivirus Programm zu installieren, viel aufregender ist es, dass Handy via Fingerabdruck zu aktivieren und den Computer per Irisscan zu starten. Der Nutzer sollte sich jedoch fragen, welcher Sinn welche Sicherheitsfunktion hat und was mit meinen Daten passiert. Zusammenfassend sollte es der erste Schritt sein sich zu fragen, welche Daten man wirklich digital oder online Speichern will. Danach sollte man seine Daten gegen Viren, Malware und Fernzugriff sichern. Hier hilft nach wie vor an PC und Notebook der klassische Virenscanner, zusätzlich gibt es diesen mittlerweile auch mobil, bisher vornehmlich auf Android Geräten wie Smartphone oder Tablet-PC. Als letzter Schutz sollten die direkten Schutzfunktionen des eigentlichen Gerätes dienen. Ob man Passwort oder Fingerabdruck dazu verwendet sollte jeder Nutzer für sich selbst beantworten, er sollte sich jedoch im Klaren sein, dass im Zweifel jemand Zugriff auf eben diese Daten erlangen kann. In jeden Fall ist die ganze Sicherheitsdiskussion mal wieder ein gute Gelegenheit, sich nochmal neu und rational mit dem Thema Sicherheit zu beschäftigen.

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